Besuch in Neunkirchen am 20. September 2025

Stadtrundgang in Neunkirchen (Saarland) mit Impulsen zum Thema „Frieden“

Ein Dutzend Mitglieder von Ad Pacem haben am 20. September, auf Einladung der Gemeindereferentin Katja Groß, an einem Stadtrundgang in Neunkirchen (Saarland) teilgenommen. Dieser fand anlässlich der“ Interkulturellen Woche & Fairen Woche“ statt.

Der Rundgang hatte fünf Stationen. An jeder wurden Erklärungen, Meditationen, Gebete und Lieder angeboten.

Bevor es zur nächsten Station weiterging, sprayte ein Jugendlicher aus der Gruppe ein Logo, das gleichzeitig die drei Symbole der monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) und einen Engel darstellte.

Die erste Station war im „momentum“, einem Begegnungszentrum des Bistums Trier in Neunkirchen.  Hier stellten sich die Teilnehmer vor. Die französischen Gäste konnten durch simultane Übersetzungen alles mitverfolgen. Dies war auch während des ganzen Rundgangs der Fall.

Dann ging es zu Fuß weiter zur zweiten Station, einem Spitzbunker, einem Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Hier erklärte einer der Verantwortlichen den Nutzen dieses Bunkers, in dem bis zu 400 Menschen auf Sitzplätzen bei den vielen Luftangriffen der Alliierten auf die dortigen Schienen-und Rüstungsproduktionen Schutz finden konnten. Ende des Zweiten Weltkriegs gab es insgesamt 40 Luftschutzanlagen auf dem Eisenwerk. Der Turm besteht aus 8 Geschossen mit 12 Toiletten. Der Zugang erfolgte über Holztreppen im 2. und 3. Geschoss. Alle Etagen sind natürlich belüftet durch gasdicht abschließbare Rohrstutzen. In der Turmspitze befindet sich die Lüftungsanlage mit den dazugehörigen Filtern, die bei Stromausfall von Hand betrieben werden konnten. Die Verständigung zwischen den einzelnen Geschossen erfolgte über Sprachrohre.

Die dritte Station fand am Zwangsarbeiter Denkmal statt. Es wurde vom japanischen Künstler Seiji Kimoto, der in Neunkirchen lebte, in den Jahren 1997/2015 fertiggestellt.

Es ist ein Mahnmal zur Erinnerung an die Fremdarbeiter und Fremdarbeiterinnen in Neunkirchen. Die Namen auf dem Sockel „Jean, Alberto, Antonia, Stanislaw, Maria, Sergey“ stehen stellvertretend für die 3000 Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges im Eisenwerk Neunkirchen, in den Kohlengruben oder in der Landwirtschaft als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen schuften mussten. Sie stammten aus ganz Europa. Festgehalten wurden sie in 22 Lagern, quer übers Stadtgebiet verteilt. Etwa 400 dieser Menschen starben an Entkräftung, Krankheit und Misshandlung bis zum Ende des Krieges.

Erklärungen zum Mahnmal selbst: auf einem Betonsockel stehen sich zwei menschliche Gestalten gegenüber. Eine ausgemergelte Figur aus grünem Kupfer, eine geschundene Zwangsarbeiterin, die angebunden einen 7,70 m hohen Stahlbalken schultert, gegen dessen Last sie sich stemmt, und eine fast überlebensgroße nicht helfende, aber zuschauende oder wegsehende Schablonenfigur, ein Aufseher oder eine gleichgültige Zuschauerin. Der aus Klinkersteinen bestehende Mauerrest an einer Sockelecke soll an die Baracken erinnern, in der die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen leben mussten.

Die vierte Station führte zur Mariensäule, vor der römisch-katholischen Kirche St. Marien. Es handelt sich um einen Grauguss aus dem Neunkircher Eisenwerk.  Der Bildhauer des Ortes, Hans Bogler, hat das Werk 1954 fertiggestellt.

Danach wurde das Innere der Kirche St. Marien besucht.  

In dieser Station konnte jeder sich Gedanken zu folgenden Fragen machen:

  • Beginnt der Frieden bei mir mit meinen eigenen Gedanken?
  • Wie sieht mein nächster Schritt als Fürsprecherin oder Fürsprecher für mehr Frieden in der Welt aus?
  • Wenn ich Vorbild für Liebe und Versöhnung sein will, wie soll ich mich verhalten? Woran merken meine Mitmenschen das?

Kurz wurde das Logo „Schwerter zu Pflugscharen“ kommentiert.

Die fünfte Station führte zum türkisch-islamischen Gemeindezentrum. Hier kam es zur Begegnung und zum Austausch mit dem Verantwortlichen und Verwalter des Zentrums. Er erklärte, wie das Zentrum organisiert sei und welche gesellschaftliche Funktion es verfolge. Beim anschließenden Gespräch wurde das interreligiöse Kennenlernen thematisiert. In dieser Hinsicht bleibt noch vieles zu tun, um die gegenseitige Begegnung der religiösen Gemeinschaften zu fördern und voranzubringen.

Danach ging es zurück ins „momentum“, wo der Stadtrundgang etwa drei Stunden vorher begonnen hatte.

Hier fand der Abschluss statt, bei einem guten kalten Buffet für alle Teilnehmenden.