Autor: Laurent Tran Van Mang
„Der Balkan, eine marginalisierte Peripherie der Europäischen Union? Alte ungelöste Konflikte und neue Akteure“
Am 18. und 25. Nov. und am 2. Dez. 2024 fanden von Luxemburg aus mehrere Sendungen mit Spielzeug und Geschenken für Kinder in den Flüchtlingszentren in Dnipro und Berzhany statt. Unsere Pakete kamen am 22. und 29. November in Dnipro und am 5. Dezember in Berezhany an, gerade rechtzeitig für die Nikolaus- und Weihnachtsfeiertage.
Zu dem Ärzteteam des Feldkrankenhauses, das Anfang April 2023 unsere Helme und kugelsicheren Westen erhalten hatte, gehörte auch Oleg, ein Rettungssanitäter. Am 6. Dezember 2023 schickte uns Oleg über sein Handy eine SMS und Fotos, die ihn im Krankenhaus zeigten. In seiner Nachricht schreibt er: „Zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wechselte ich, wie viele meiner Schulkollegen, die Klasse und ging als Rettungssanitäter an die Front, um unseren Soldaten zu helfen, unser Land von den russischen Invasoren zu befreien. Am 1. Dezember 2023 transportierten wir Verwundete von den Schlachtfeldern, als wir bombardiert wurden. Ich wurde von Projektilen getroffen, aber dank der Hilfe Gottes, der kugelsicheren Weste und des Helms, die Sie für mich gekauft haben, gerettet. Bitte nehmen Sie meinen aufrichtigen Dank anlässlich des heutigen Nikolaustages entgegen und ich wünsche Ihnen alles Gute für ein langes Leben!”
Gesendet am 18. und empfangen am 29. November 2023: unsere Hilfe für die Binnenflüchtlinge in Dnipro: Bettwäsche, Decken und Kissen, warme Kleidung, verschiedene Medikamente
Gesendet von Luxemburg am 25. Nov. und empfangen am 6. Dez. 2023 in Kharkiv: Verbände, Schmerzmittel, Desinfektionsmittel, Orthesen für Knie, Hände und Füße, enterale Ernährung, Gehhilfen.
14. November 2023. Das psychiatrische Krankenhaus in Vorzel in der Ukraine erhielt am 30. Oktober 2023 die Medikamente, die dank der Spenden aus unserem Aufruf im Newsletter 27 gekauft worden waren. Die Verantwortlichen des Krankenhauses erhielten Antidepressiva, Neuroleptika, Antikonvulsiva, Hynoptika und Anxiolytika.
Tod von Ihor Kozlovsky
Ihor Kozlovsky, ukrainischer Staatsbürger, Historiker und Religionswissenschaftler, starb am 6. September 2023 in Kyiv an einem Herzinfarkt.
Kozlovsky war 69 Jahre alt. Er stammte aus der Region Donezk. Selbst nach der russischen Invasion im Jahr 2014 verließ er seine Heimatstadt nicht. Am 27. Januar 2016 nahmen ihn Aktivisten der sogenannten Volksrepublik Donezk aufgrund seiner pro-ukrainischen Haltung gefangen. Kozlovsky befand sich 700 Tage lang in Gefangenschaft, wo er zahlreichen Folterungen ausgesetzt war. Er wurde im Rahmen eines Gefangenenaustauschs am 27. Dezember 2017 freigelassen.
Nach seiner Rückkehr in die Ukraine arbeitete er in Kyiw in der Abteilung für religiöse Studien am Institut für Philosophie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine.
Auf Einladung unseres Vereins „Ad pacem servandam – Für den Frieden und gegen den Krieg“ reiste Ihor Kozlovsky im Oktober 2021 nach Frankreich, Luxemburg und Deutschland, um persönlich über die Kriegsverbrechen der Russen gegen Zivilisten in der Ukraine zu berichten. Er gab deutschen, luxemburgischen und französischen Journalisten mehrere Interviews.
Sie können sich den Vortrag, den Ihor Kozlovsky am 16. Oktober 2021 in Mont-Saint-Martin (F) gehalten hat, unter folgendem Link ansehen:
Krieg in der Ukraine. 700 Tage Gefangenschaft und Folter. Ihor Kozlovsky sagt aus
Gesendet von Luxemburg am 23. September und erhalten am 10. Oktober 2023: Kleidung, Schuhe, Decken, Unterwäsche für das Flüchtlingszentrum in Dnipro, das wir seit Beginn des Krieges unterstützen.
Versand am 23. September aus Luxemburg und Empfang am 5. Oktober 2023 im Krankenhaus in Charkiw von Verbandsmaterial, Schmerzmitteln und Antiseptika, Knie- und Armorthesen, Bettunterlagen, Windeln für bettlägerige Personen, Operationsjacken und -masken.
Interview mit Frau Tetyana PONOMARENKO, Direktorin der psychiatrischen Klinik in VORZEL (Kyiver Gebiet), geführt am 2. Juli 2023 von Frau Natalya PANTALEONI, Vize-Präsidentin von „Ad Pacem servandam – Für Frieden & gegen Krieg“
Frau Ponomarenko, was sind die Aufgaben und die Therapien dieser psychiatrischen Klinik vor dem Krieg, der am 24. Februar 2022 begonnen hat?
Seit seiner Gründung hat das psychiatrische Spital N.2 in Vorzel die Aufgabe, den Bedürfnissen der Bevölkerung aus Kyjiv und dem Kyiver Gebiet hinsichtlich psychiatrischer Behandlung und Betreuung entgegenzukommen. Das Spital verfügt im Ganzen über acht Abteilungen, wovon die wichtigsten folgende sind: für Kinder und Jugendliche, für Betroffene mit Downsyndrom, für Autisten, für Menschen mit psychischen Verhaltensstörungen und für solche mit Verspätungen in der mentalen Entwicklung. Eine Einheit ist dazu bestimmt, Kranken, die alkoholabhängig sind, zu helfen.
Wie viele vom Krieg traumatisierte Menschen aus den Kriegsgebieten werden in dieser Klinik im Moment behandelt? Wie haben diese Aufgaben sich mit dem Beginn des Krieges verändert? Wie viele Angestellte und freiwillige Helfer arbeiten hier?
Seit 2017 hat das Spital sich darauf spezialisiert, Veteranen, die durch die militärischen Kämpfe im Donbass psychische Schäden erlitten haben, Hilfe anzubieten. Die Mehrheit der Patienten leidet an Traumata, die durch den russischen Aggressionskrieg verursacht worden sind. Es sind Soldaten, die an der Front gekämpft haben und die die furchtbare Realität des Krieges nicht verkraften: sie mussten Menschen töten oder den Tod von Freunden erleben, ohne ihn verhindern zu können. Unter den Patienten befinden sich Soldaten, die sich von der Gesellschaft gezwungen fühlen, in den Krieg ziehen, während anderen der Krieg an der Front erspart bleibt. Es gibt auch Soldaten, die Gefangenschaft und Folter erlebt haben und andere, deren Familienangehörige Opfer von sexueller Gewalt wurden. Schließlich gibt es Patienten, die durch die Unfähigkeit, selbst mit Traumata klarzukommen, sich in Drogen- und Alkoholabhängigkeiten stürzen. Diese Menschen leiden vor allem an tiefen Depressionen, Angstzuständen und haben psychosomatische Beschwerden.
Das Spital kann maximal 300 Patienten aufnehmen und etwa 45 bis 50 sollen ambulant behandelt werden können, d.h. diese kommen tagsüber und verbringen die Nacht zuhause. Das Spital zählt momentan 16 Ärzte, 34 Krankenpfleger und -schwestern und 16 Angestellte (Sekretärin, Köche, Ambulanzfahrer, Arbeiter, Putzdienst). Heutzutage ist das Personal überbelastet und klar unterbelegt, da das Spital mehr Patienten beherbergt als die Infrastruktur vorsieht. Als im Februar 2022 der russische Angriffskrieg anfing, hat das Spital 62 Patienten der Kharkiver Psychiatrischen Anstalt aufgenommen. Sie mussten aus Kharkiv evakuiert werden. Da das Psychiatrische Spital in Kharkiv nach dem russischen Angriff auf die Stadt nicht mehr geöffnet wurde, bleiben alle Patienten vorläufig in Vorzel. Übers Wochenende steht nur ein Psychiater für alle 300 Patienten im Bereitschaftsdienst zur Verfügung.
Freiwillige Helfer kommen aber zum Spital, um ihre Hilfe n anzubieten. Es sind meistens Psychologie- und Medizinstudenten, die keine Verantwortung in der Behandlung übernehmen dürfen, und die Einsatzmöglichkeiten sind daher begrenzt. Im Spital gab es bis zu Beginn des Krieges eine Kinderabteilung. Die ist jetzt geschlossen.
Im Moment sind keine Kinder im Spital, da die Familien es vorziehen, sie bei sich zu behalten, oder sie kommen als ambulante Patienten vorbei.
Die Mitglieder eines Hundeclubs aus Kyjiv kommen regelmäßig mit ihren Hunden, um den Ärzten bei Canistherapien mit Kranken zu helfen.
Was sind die Hauptkrankheiten und psychischen Störungen der zivilen Patienten und der Soldaten, die von der Front hierherkommen?
Es ist uns Verantwortlichen gesetzlich nicht erlaubt, genaue statistische Daten von unseren Patienten zu veröffentlichen. Es ist aber eine Tatsache, dass dieses Spital sich seit 2015 auf die Behandlung von Kriegsveteranen spezialisiert hat.
Mit welchen Erwartungen) meldeten sich diese Menschen für den Krieg? Sind diese Hoffnungen falsch angesichts dessen, was die Soldaten dort erwartet?
Die persönliche Geschichte eines jeden Menschen ist unterschiedlich. Viele Patrioten meldeten sich für den Krieg, um ihr Land zu verteidigen. Nur ist die Realität, die die Soldaten an der Front erwartet, viel grausamer, als sie es sich vorstellen konnten.
Sind diese Männer und Frauen auf den Krieg vorbereitet gewesen?
Nein, allgemein kann man sagen, dass die Menschen gar nicht auf den Krieg vorbereitet waren. Bis zum Tag des massiven russischen Angriffs glaubte keiner richtig daran, dass so etwas möglich wäre. Umso größer war auch der Schock bei den UkrainerInnnen.
Hat diese Klinik genügend ausgebildetes Personal für die Therapien?
Es fehlt an Personal und vor allem an Personal, das ausgebildet im Bereich der Kriegstraumata ist. Manche Betreuer leiden selbst an Burnout. Und es fehlt an Medikamenten; die staatlich gesicherten Quoten wurden gesenkt, obwohl das Spital in dieser Zeit des Krieges viel mehr Medikamente braucht.
Was machen diese Männer und Frauen nach der Therapie?
Die zivilen Patienten kehren nach der Behandlung in die zivile Gesellschaft zurück. Leider ist die Anzahl der Rückfälle groß. Das hat damit zu tun, dass weiter Krieg geführt wird und es laute Luftabwehrsirenen fast jeden Tag gibt. Tragische Nachrichten erreichen täglich die Menschen. Nach ihrer Behandlung kehren die meisten Soldaten wieder an die Front zurück.
Vor welchen materiellen und personellen Herausforderungen steht die Klinik heute?) Was fehlt vor allem?
Es fehlt vor allem an Medikamenten und an nötiger medizinischer und materieller Ausstattung. Während der russischen Besatzung wurden alle Computer und medizinischen Geräte entweder gestohlen oder zerstört. Das Heizungssystem wurde stark beschädigt. Sogar Schöpflöffel und Besteck aus der Küche wurden gestohlen. Die medizinischen Enzyklopädien im Büro der Direktorin wurden verbrannt. Mehrere Abteilungen des Spitals müssen unbedingt renoviert werden. In viele Räume, in denen während der Besatzung Fenster und Türen ausgerissen wurden, hat es hineingeschneit und -geregnet, so dass die Bodenbeläge beschädigt sind und an vielen Stellen Schimmel aufgetreten ist. Diese müssen dringend ersetzt werden. Das kleine Gewächshaus, in dem die Kranken selbst ihr Gemüse angebaut haben, was auch Teil der Therapien ist, wurde zerstört.
Bekommt die Klinik Hilfen aus dem Ausland? Wieviel des Bedarfs der Klinik decken diese Hilfen?
In der ersten Linie sind es die ukrainischen Bürger, die nach der Befreiung Vorzels und der Rückkehr der Insassen ins Spitals helfen. Einige Bauern aus der Nähe bringen Milchprodukte und Lebensmittel. Sportvereine aus Kyjiv haben geholfen, die Gebäude nach der Besatzung zu putzen und, soweit es ging, zu reparieren.
Eine deutsche Organisation hat eine Geldspende für den Kauf von Medikamenten gemacht. Diese sollten bis zum Jahresende 2023 reichen. Aber der reale Bedarf ist so rasch gestiegen, dass diese Hilfspakete im Laufe von nur 3 Monaten aufgebraucht wurden.
Auf die Frage von Frau Pantaleoni, ob „Ad Pacem“ gleich mit einer Spende für den Kauf von Medikamenten helfen könne, kamen der Direktorin Tränen in die Augen. Sie gestand, dass der Klinik im Moment, in vielen Bereichen, nur Medikamente bis zum Ende der laufenden Woche zur Verfügung stünden. Sie nahm dankend das Angebot für den sofortigen Kauf von einem Hilfspaket von 1000 € an (zu sehen auf der Webseite unter der Rubrik „Russlands Krieg gegen die Ukraine“, 3. Juli 2023).
Frau Tetyana Ponomarenko mit Natalya Pantaleoni und unser Vertreter in der Ukraine Anatoly Kmetko.
1. September 2023: Das psychiatrische Krankenhaus in Vorzel (Region Kyiv) hat Medikamente für die Behandlung von Kriegsopfern erhalten. Die Medikamente wurden mit dem Geld gekauft, das unsere Organisation Ad Pacem im August in Italien bei zwei Benefizkonzerten in Serra Sant’Abbondio und Pergola sowie bei einem Spendenaufruf im Franziskanerkloster Ostra Vetere erhalten hatte.
3. Juli 2023: Das psychiatrische Krankenhaus in Vorzel (nördlich von Kyiw), in dem die meisten Patienten unter schweren Kriegstraumata leiden, erhält für 1.000 Euro dringend benötigte Medikamente.
2 juillet 2023: Valerij Nedosekin, ehemaliger Gefangener in Foltergefängnis des DNR (Volksrepublik Donetsk), bekommt von Ad Pacem notwendige Medikamente für seine medizinische Behandlung.
26. Juni 2023: Vasyli S., aus einem Dorf der Zentralukraine, bekommt den von einem Mitglied von Ad Pacem gespendeten Rollstuhl.
Bastogne War Museum
Kultureller Ausflug in Belgien
Am Samstag, den 17. Juni 2023, hatte der Vorstand des Vereins „Ad Pacem servandam – Für den Frieden und gegen den Krieg“ einen Besuch im Bastogne War Museum (B) organisiert.
Dieses Museum ist eine wichtige Gedenkstätte in den Ardennen, die dem Zweiten Weltkrieg gewidmet ist. Es beherbergt viele Karten, Kulissen, Zeugenaussagen und Filme aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die es dem Besucher ermöglichen, die Ardennenschlacht, die vom 16. Dezember 1944 bis zum 25. Januar 1945 um die Stadt Bastogne herum stattfand, wieder zu erleben und zu verstehen.
Von 10.00 bis 13.30 Uhr besuchte die Gruppe von sechzehn Mitgliedern in ihrem eigenen Tempo alle Ausstellungen und Multimediaräume mit Audioguides, die die Besucher mithilfe von interaktiven Terminals entlang des Rundgangs in der gewählten Sprache (Niederländisch, Englisch, Deutsch oder Französisch) über die wichtigen Ereignisse dieser Schlacht informieren.
Die Besucher werden außerdem durch drei multisensorische Shows zu einer immersiven Erfahrung geführt, bei der sie den Weg von vier Personen im Herzen des Konflikts verfolgen können.
Nach dem Mittagessen auf der Terrasse des „Bistrot de la Paix“ begab sich die Gruppe zum Bois St Jacques, wo sie dreißig Minuten lang einen Höhepunkt des Schlachtfelds Bois Jacques durch eine mobile Anwendung mit erweiterter Realität (wieder-)erleben konnte. Dies ermöglichte es, für einen Moment am Alltag der G.I.’s der Easy Company teilzuhaben, die sich in den Foxholes (Schießscharten) verschanzt hatten.



















































